Vom 29. bis 31. Oktober 2026 wurde Volkach am Main wieder zum Treffpunkt der Mühlenwirtschaft. Zur mittlerweile 51. Müllerei-Fachtagung hatte der Bayerische Müllerbund eingeladen und erneut ein vielseitiges Programm mit aktuellen Branchenthemen, innovativen Entwicklungen und praxisnahen Fachvorträgen zusammengestellt. Drei Tage lang standen die Herausforderungen und Zukunftsperspektiven der Müllerei ebenso im Mittelpunkt wie der persönliche Austausch unter Berufskollegen und Partnern der Branche.
Die traditionsreiche Veranstaltung bot auch in diesem Jahr eine breite Themenvielfalt. Von den aktuellen Getreidemärkten und den Qualitäten der Ernte 2026 über Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und Energiemanagement bis hin zu modernen Verfahren der Getreidereinigung und Müllereitechnik reichte das Spektrum der Fachvorträge. Begleitet wurde die Tagung wie immer von einer umfangreichen Fachausstellung renommierter Zulieferunternehmen.

Aktuelle Getreidemärkte und neue Perspektiven für die Müllerei
Nach dem traditionellen Sektempfang eröffnete der Vorstandsvorsitzende des Bayerischen Müllerbundes, Rudolf Sagberger, am Donnerstag die 51. Müllerei-Fachtagung. Im Mittelpunkt des ersten Veranstaltungstages standen zunächst die aktuellen Entwicklungen auf den Getreidemärkten und entlang der Wertschöpfungskette.
Maximilian Bergmair von BAT-Agrar beleuchtete die Getreideernte 2026 und deren Auswirkungen auf Warenströme und Preisbildung. Ergänzend gab Moritz Häfele von der Biokontor GmbH einen Überblick über die Versorgungslage und Preisentwicklung auf den heimischen Biogetreidemärkten. Weitere Vorträge widmeten sich den Markttrends bei Dinkel, Emmer und Einkorn sowie dem Einfluss von Sortenwahl und Anbauform auf die Backeigenschaften von Dinkel.
Wie zunehmend auch Künstliche Intelligenz in der Getreidewirtschaft Einzug hält, zeigte Martin Chambert-Loir vom französischen Unternehmen Inarix. Anhand neuer Möglichkeiten zur optischen Protein- und Sortenbestimmung verdeutlichte er das Potenzial moderner Technologien für die Qualitätskontrolle.
Einen besonderen Blick auf die Zusammenarbeit zwischen Mühlen und handwerklichen Bäckereien warf zum Abschluss des ersten Vortragstages der bekannte Brot-Experte und Buchautor Lutz Geißler. Dabei ging es insbesondere um die Erwartungen kleiner Bäckereien an ihre Mühlen und die Chancen einer engeren Zusammenarbeit. Seine Botschaft war eng mit den Bäckern bei Qualitätsveränderungen zu kommunizieren.
Digitalisierung, Energie und Qualitätssicherung im Fokus
Der Freitagvormittag stand ganz im Zeichen wirtschaftlicher und betrieblicher Herausforderungen. Neben neuen Hilfestellungen der Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) wurden insbesondere die Chancen der Digitalisierung für die Mühlenbetriebe beleuchtet. Praxisnahe Beispiele zeigten, wie digitale Anwendungen betriebliche Abläufe effizienter gestalten und zusätzliche Wertschöpfung ermöglichen können.
Weitere Schwerpunkte bildeten die neuen Anforderungen der europäischen Verpackungsverordnung sowie aktuelle Fragen rund um die Energieversorgung. Dabei standen sowohl mögliche Perspektiven eines Industriestrompreises für Mühlen als auch innovative Speicherlösungen und ein optimiertes Energiemanagement im Mittelpunkt.
Am Nachmittag rückten die Getreidequalitäten der Ernte 2026 und das Qualitätsmanagement in den Fokus. Dr. Jens Begemann vom Max Rubner-Institut stellte die Ergebnisse der Besonderen Ernteermittlung vor und ging dabei insbesondere auf die Auswirkungen der Frühjahrestrockenheit auf die Weizenqualität ein. Ergänzend gab Christine Aberham-Egger vom Labor Dr. Aberham wertvolle Hinweise zur Verarbeitung und Behandlung der neuen Ernte.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem DON-Vorerntemonitoring, das erfreuliche Ergebnisse für die Ernte 2026 zeigte. Den Teilnehmern am diesjährigen DON-Vorerntemonitoring wurde ein Teilnahmezertifikat überreicht. Allen teilnehmenden Mühlen nochmals ein herzliches Dankeschön.

Mit aktuellen Entwicklungen bei der Nagerüberwachung und -bekämpfung griff die Tagung zudem ein wichtiges Thema der Lebensmittelsicherheit auf. Neue rechtliche Rahmenbedingungen und innovative technische Lösungen zeigten, vor welchen Herausforderungen die Betriebe mit der Abschaffung der befallsunabhängigen Dauerbeköderung stehen und welche technischen Möglichkeiten künftig genutzt werden können.
Einen besonders eindringlichen Abschluss des zweiten Vortragstages bildete der Erfahrungsbericht von Andreas Romberg über einen Mühlenbrand. Er verdeutlichte, welche weitreichenden Folgen ein solches Ereignis für einen Betrieb haben kann.
Moderne Müllereitechnik und innovative Verfahren
Der Samstagvormittag gehörte traditionell der Müllereitechnik. Im Mittelpunkt standen technische Innovationen und praxisorientierte Lösungen für moderne Mühlenbetriebe.
Die Fachvorträge reichten von zukunftsweisenden Anwendungen im Rohrbau über innovative Sortiertechnik zur gezielten Qualitätsaufwertung von Getreidepartien bis hin zu neuen Ansätzen für hygienischen und energieeffizienten Mühlenbau. Auch der Neubau einer kombinierten Mühle mit innovativen Mahlverfahren wurde anhand eines konkreten Praxisbeispiels vorgestellt.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Automatisierung und dem Einsatz Künstlicher Intelligenz bei der Getreideannahme und im Qualitätslabor. Den Abschluss bildete ein Vortrag über die Wirksamkeit verschiedener Reinigungsschritte zur Reduktion von Ergotalkaloiden in Weizen. Damit wurde einmal mehr deutlich, welchen wichtigen Beitrag moderne Müllereitechnik zur Qualitätssicherung und Lebensmittelsicherheit leistet.
Fachausstellung und persönlicher Austausch
Neben dem umfangreichen Vortragsprogramm bot die begleitende Fachausstellung wieder Gelegenheit, sich unmittelbar über neue Produkte, technische Entwicklungen und Dienstleistungen zu informieren. Über 40 Zulieferunternehmen präsentierten ihre Lösungen für die Mühlenwirtschaft und standen den Besuchern für individuelle Fachgespräche zur Verfügung.
Doch nicht nur die fachlichen Inhalte machen die Müllerei-Fachtagung seit Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil im Veranstaltungskalender der Branche. Mindestens ebenso wichtig ist der persönliche Austausch. Bestehende Kontakte wurden gepflegt, neue Verbindungen geknüpft und aktuelle Herausforderungen auch abseits des Vortragssaals intensiv diskutiert.
20 Jahre Bayerische Mehlkönigin – ein besonderes Jubiläum im Schloss Sulzheim
Ein gesellschaftlicher Höhepunkt der Fachtagung war wie immer der traditionelle Fränkische Abend am Freitag, der in diesem Jahr im Schloss Sulzheim stattfand. Neben fränkischen Spezialitäten und ausgewählten Weinen stand ein ganz besonderes Jubiläum im Mittelpunkt: 20 Jahre Bayerische Mehlkönigin.
Im Jahr 2006 hatte der Bayerische Müllerbund mit Klara Seeger erstmals eine Bayerische Mehlkönigin ins Amt berufen. Was damals als neue Initiative zur Öffentlichkeitsarbeit für das Müllerhandwerk begann, hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zu einer festen und geschätzten Institution entwickelt. Die Bayerischen Mehlköniginnen repräsentieren seither mit großem Engagement die Mühlenwirtschaft und werben als sympathische Botschafterinnen für Mehl, unseren Ausbildungsberuf und die Bedeutung des Müllerhandwerks für die Lebensmittelversorgung. Bei zahlreichen Veranstaltungen, Messeauftritten und öffentlichen Terminen tragen sie dazu bei, die Leistungen der Mühlenbetriebe und die Bedeutung ihrer Produkte stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens hatte der Bayerische Müllerbund alle bisherigen Amtsinhaberinnen gemeinsam mit der amtierenden Bayerischen Mehlkönigin Luisa Winkler nach Schloss Sulzheim eingeladen. Damit bot der Fränkische Abend einen besonderen Rahmen, um auf zwei Jahrzehnte erfolgreicher Öffentlichkeitsarbeit zurückzublicken und das Engagement der Mehlköniginnen zu würdigen.

Schneller Mühle als bester Ausbildungsbetrieb Bayerns 2026 ausgezeichnet
Ein weiterer Höhepunkt des Fränkischen Abends war die Auszeichnung des Besten Ausbildungsbetriebs 2026. In diesem Jahr ging die besondere Ehrung an die Schneller Mühle, die für ihre herausragende Ausbildungsleistung ausgezeichnet wurde.
Im Mittelpunkt stand dabei die erfolgreiche Ausbildung von Korbinian Mayr, der seine Ausbildung mit ausgezeichneten Leistungen absolvierte. Mit der Ehrung würdigte der Bayerische Müllerbund das besondere Engagement der Schneller Mühle bei der Ausbildung qualifizierter Nachwuchskräfte. Die Auszeichnung unterstreicht zugleich die große Bedeutung einer fundierten und praxisnahen Berufsausbildung für die Zukunft des Müllerhandwerks. Gerade vor dem Hintergrund eines gut ausgebildeten Fachkräftebedarfs leisten engagierte Ausbildungsbetriebe einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherung des Berufsnachwuchses und damit zur Zukunftsfähigkeit der gesamten Branche.

Volkach ist ein wichtiger Treffpunkt der Müllerfamilie
Mit dem Abschluss der Fachvorträge am Samstagmittag ging die 51. Müllerei-Fachtagung zu Ende. Auch in diesem Jahr zeigte die Veranstaltung, wie wichtig der fachliche Austausch, die persönliche Begegnung und der gemeinsame Blick auf die Zukunft für die Mühlenwirtschaft sind.
Die große Bandbreite der behandelten Themen machte deutlich, dass die Branche vor vielfältigen Herausforderungen steht, zugleich aber auch zahlreiche Chancen durch technische Innovationen, Digitalisierung und eine engere Zusammenarbeit entlang der
Wertschöpfungskette entstehen. Die Müllerei-Fachtagung ist damit weit mehr als eine reine Vortragsveranstaltung. Sie ist Fachforum, Netzwerkplattform und nicht zuletzt ein lebendiger Ausdruck der Gemeinschaft innerhalb der Mühlenwirtschaft.
Ein herzliches Dankeschön gilt allen Referentinnen und Referenten, Ausstellern, Teilnehmerinnen und Teilnehmern sowie den zahlreichen Unterstützern, die zum Gelingen der 51. Müllerei-Fachtagung beigetragen haben.